Nur die halbe Geschichte

Originaltitel
The Half of It
Land
Jahr
2020
Laufzeit
104 min
Regie
Release Date
Streaming
Bewertung
9
9/10
von Frank-Michael Helmke / 3. Mai 2020

Im diverse Male verfilmten und x-fach in Film und Fernsehen zitierten Literaturklassiker "Cyrano de Bergerac" schreibt ein durch eine riesige Nase entstellter Sonderling als Ghostwriter die Liebesbriefe für einen verliebten Jüngling an eine reizende Schöne, in die der Titelheld selbst verliebt ist. Regisseurin und Autorin Alice Wu erweist mit "Nur die halbe Geschichte" dieser Vorlage nun ein weiteres Mal die Ehre, mit einem modernen Spin in der Geschichte. 

Ellie Chu (Leah Lewis) hat keine riesige Nase, aber als Super Nerd, die viel zu intelligent für das Kaff irgendwo im Nirgendwo ist, in dem sie lebt, ist auch sie ein ganz klarer Sonderling. Als der sehr einfach gestrickte Footballspieler Paul Munsky (herrlich überfordert und planlos: Daniel Diemer) sie darum bittet, für ihn einen Liebesbrief an die unerreichbare Aster (Alexxis Lemire) zu schreiben, kommt Ellies einsames Eigenbrötler-Leben gehörig durcheinander, geht es doch um ihre eigene, heimliche Liebe.

Aus dieser speziellen Konstellation macht Alice Wu eine universelle Liebesgeschichte von außergewöhnlicher Authentizität, Ehrlichkeit und aufrichtiger Herzenswärme. Ein Film, in den man sich als junger Mensch so richtig selbst verlieben kann. Aber auch ein Film aus einer Nische, die wie so viele Subgenres in Hollywood schon seit Jahren kaum noch stattfindet. So fand "Nur die halbe Geschichte" sein Zuhause bei Netflix. Und das ist vermutlich eine sehr gute Sache. Denn der Film nimmt sein ländliches Setting viel ernster, als es sich eine mainstreamige Hollywood-Version dieser Geschichte wohl je getraut hätte. Wie sehr Religion an einem solchen Ort auch für viele Teenager ein wichtiger und ernstzunehmender Faktor in ihrem Handeln und Denken ist, hätte ein Hollywood-Film niemals so unvoreingenommen dargestellt wie hier.

In seiner sehr süßen und einnehmenden Eröffnung stellt sich "Nur die halbe Geschichte" als aufrichtig romantischer Liebesfilm vor, und genau das ist er auch - selbst wenn Ellie diese Eröffnung umgehend für Quatsch erklärt und darauf besteht, dass das hier keine Liebesgeschichte ist - "jedenfalls keine, in der irgendwer das kriegt, was er will". Im Folgenden erzählt der Film eine wundervoll einfühlsame Geschichte, in der es gar nicht so sehr darum geht, wann Aster hinter die Wahrheit kommt. Das eigentliche Zentrum ist die Beziehung zwischen Ellen und Paul. Und auch wenn das tatsächlich keine Liebesgeschichte ist, so entwickelt sie sich doch in sehr berührenden Momenten. 

"Nur die halbe Geschichte" lebt dabei nicht nur von seinen liebenswerten Figuren, sondern auch und vor allem von Alice Wus bemerkenswerter Nase für originelle kleine set pieces, um ihre Geschichte auf sehr abwechslungsreiche und filmisch starke Weise zu erzählen. Wie Ellie und Aster zusammen ein Kunstwerk kreieren, ohne sich jemals persönlich zu begegnen, hat schon fast etwas Magisches. Und das zweite Date zwischen Paul und Aster (und Ellie) ist gleichzeitig enorm komisch und enorm berührend. 

Man muss ein bisschen über ein paar Stellen hinwegsehen, an denen die Glaubwürdigkeit des Films auf etwas wackeligen Füßen steht. Dass Aster zum Beispiel nicht merkt, dass sie es mit einem Mädchen zu tun hat, obwohl Ellies Handschrift schon recht verräterisch auf ihr Geschlecht hinweist. Oder dass zwischen Pauls und Asters erstem und zweitem Date gefühlte Monate vergehen. Aber das sind absolut zu vernachlässigende Kleinigkeiten, die man einem Film gerne nachsieht, wenn er einen so sehr einzunehmen weiß. 

Ich war nur einmal kurz enttäuscht während des Films. Fast die gesamte Laufzeit über hatte ich angenommen, dass er mit einem bestimmten Twist enden würde, und hatte das trügerische Gefühl, dass der Film sich dieses Ende auch geschickt als Möglichkeit offen hielt. Tat er aber gar nicht. Es war fast etwas ärgerlich zu erkennen, dass ich falsch gelegen hatte. Aber das werde ich "Nur die halbe Geschichte" ganz sicher nicht vorwerfen. Denn meine Variante hätte ein viel konventionelleres (und weniger ehrliches) Ende ergeben, das diesem sehr weisen Film nicht gestanden hätte. Das echte Ende ist nahezu perfekt und unterstreicht, dass "Nur die halbe Geschichte" einer der besten Teenager-Filme seit langer Zeit ist.        

Bilder: Copyright

3
3/10

Ein wahrhaft schlechter und langweiliger Film: Null Witz, Null Gefühl, Null Timing, schlimme Schauspieler. Habe wirklich selten Lahmeres gesehen. Wie kann man so etwas mit 9 Augen bewerten?? *kopfschüttel*

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